Fünf Gründe, warum heute jedes Unternehmen Jobsharing anbieten sollte

zwei Männer unterhalten sich und schauen auf gemeinsames Dokument

Falls es sie jemals gab, sind die Zeiten, in denen Workaholics für irgendjemanden als Rollenvorbild erfolgreicher Hochleister:innen galten, längst vorbei. Heute stehen Themen wie Selbstverwirklichung und Work-Life-Family-Balance im Vordergrund. Dafür braucht es moderne Instrumente und Arbeitsmodelle, die an den Anforderungen des New Work Zeitalters ausgerichtet sind.

Eines dieser Instrumente ist das Konzept des Jobsharings, das in den vergangenen Jahren immer beliebter wurde. Dieser Trend wird sich in den kommenden Jahren noch verstärken, da Jobsharing sowohl für Unternehmen als auch für deren Arbeitnehmer:innen große Vorteile bietet.

Jobsharing ermöglicht Teilzeitarbeit

Zunächst einmal ist Jobsharing eine hervorragende Möglichkeit, das Konzept Teilzeitarbeit in wesentlich größerem Umfang in Unternehmen umzusetzen. In früheren Zeiten war Teilzeitarbeit in vielen Unternehmen eher die Ausnahme, da unternehmensseitig oft argumentiert wurde, es gäbe zu wenig Aufgaben, die für dieses Konzept passen würden. In der heutigen New-Work-Realität fordern begehrte Talente allerdings Teilzeitmodelle. Ansonsten suchen sie sich ein Unternehmen, das diese anbietet. Und davon gibt es heute – auch dank clever umgesetzter Jobsharing-Modelle – genug.

Mehr Kreativität durch unterschiedliche Ansätze

Wenn zwei Menschen sich einen Job und die zugehörigen Aufgaben teilen, bringen sie ihre individuellen Kompetenzen und Stile ein, was zu einer immensen Steigerung des kreativen Potenzials bei der Aufgabenbearbeitung führt. Dazu bedarf es natürlich smarter Wege, dieses Potential auch zu heben und vorhandene Synergien zu nutzen. Wie dies gelingen kann, wird weiter unten thematisiert.

Die Jobinhaber:innen können sich gegenseitig unterstützen und coachen

Neben mehr Kreativität bietet Jobsharing auch die Möglichkeit, Peer-Coaching-Konzepte umzusetzen, mit denen die Jobinhaber:innen sich gegenseitig auf eine systematische Weise unterstützen können. Hier ist HR gefordert, solche Konzepte vorzustellen und professionell zu begleiten.

Die Arbeit geht auch beim Ausfall einer Person weiter

In coronageplagten Zeiten kann es als großer Vorteil des Jobsharings angesehen werden, dass auch beim Ausfall einer Person die Arbeit nicht zum Erliegen kommt, sondern ohne Qualitäts- oder Zeitverluste fortgeführt werden kann. Selbst wenn ein Teil des Job-Tandems das Unternehmen verlässt, geht es nahtlos weiter.

Mehr Flexibilität für die MA in der Arbeitsgestaltung und Organisation

Ein zentraler Vorteil des Modells ist weiter oben schon einmal angeklungen. Jobsharing-Modelle passen sehr gut zu dem Wunsch heutiger Arbeitnehmer:innen einer flexibel auf ihre individuellen Bedürfnisse zugeschnittenen Gestaltung ihres Jobs. Und nur wenn diesem Wunsch nachgekommen wird, gelingt es Unternehmen in Zeiten sich verschärfenden Fachkräftemangels, begehrte Talente von sich zu überzeugen.

Was ist bei der Einführung zu beachten?

Die Argumente für die Einführung von Jobsharing liegen also auf der Hand. Aber wie gelingt diese Einführung, und was sollte dabei beachtet werden? Neben den klassischen Anforderungen an die Suche nach passenden Stelleninhaber:innen ans Recruiting ergibt sich beim Jobsharing die zusätzliche Herausforderung, zwei zueinander passende Persönlichkeiten zu finden. Wichtig ist hier ein Match zwischen den Charakteren, Arbeitsstilen und Kompetenzen der Stelleninhaber:innen. Um dieses Match zu finden, empfiehlt sich zum Beispiel der Einsatz fundierter Persönlichkeitsinventare, vor allem wenn diese den Vergleich zweier Persönlichkeitsprofile ermöglichen. Wichtig ist dabei eine differenzierte Darstellung der Persönlichkeit im Sinne unterschiedlicher Persönlichkeitsdimensionen, die dann verglichen werden können. So wird es möglich, potenzielle Reibungspunkte und Konfliktherde in der zukünftigen Zusammenarbeit proaktiv zu identifizieren.

Nach der Auswahl ist eine professionelle Begleitung der Tandems ebenfalls erfolgskritisch. HR sollte hier auf jeden Fall Angebote zur Reflexion der Zusammenarbeit zur Verfügung stellen. So kann etwa auf Basis der oben beschriebenen Ergebnisse des Persönlichkeitsinventars eine Begleitung des Tandems durch eine:n Berater:in stattfinden, in der die Zusammenarbeit kontinuierlich reflektiert und optimiert wird.

Ihr

Dr. Ronald Franke


Über den Autor:

Dr. Ronald Franke ist Geschäftsführer der LINC GmbH, promovierter Wirtschaftspsychologe und zertifizierter systemischer Coach. Als Berater und Trainer war er für Unternehmen aus den Bereichen Automotive, Pharma Maschinenbau und Handel tätig. Sein Wissen gibt er außerdem seit über 10 Jahren als Dozent an Hochschulen weiter (u. a. Leuphana Universität Lüneburg, FOM Hamburg).

www.linc.de

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